Interview mit Alexander Gergelyfi

Interview / Künstler:innen

"Der erste Ton ist immer ein kollektiver Schock - und dann werden die Ohren gespitzt"
Ein Gespräch mit Alexander Gergelyfi 

Der 1987 in Linz geborene Alexander Gergelyfi begeistert sich und das Publikum seit Jahren für historische Tasteninstrumente. 

Im Keys Cafe Interview erzählt er uns mehr über seine Leidenschaft für das Clavichord, warum das Instrument perfekt in unsere heutige Zeit passt, über die Reaktionen des Publikums und ein 300 Jahre altes Instrument namens Ursula.

 

Keys Cafe: Das Clavichord schaut als Instrument auf eine rund 600jährige Geschichte zurück. Zwischenzeitlich geriet es nahezu in Vergessenheit und wurde dann im 20. Jahrhundert „wiederentdeckt“.

Würdest Du das Clavichord im 21. Jahrhundert als ein zeitgenössisches Instrument bezeichnen oder ist es doch eher ein musealer Gegenstand aus vergangenen Zeiten? Passt es mit seinem leisen Klang überhaupt in unsere doch eher laute Gegenwart?

Alexander Gergelyfi: Unsere Zeit braucht Kontrapunkt, ein leises Instrument passt da nahezu perfekt in diese viel zu laute und schrille Welt! Das Clavichord verstehe ich als historisches Hausinstrument. Orgel konnte man nicht einfach so üben und ein Cembalo war sehr teuer und dadurch dem Adel und hohen Bürgertum vorbehalten. Das Clavichord wurde aufgrund seines intimen Klanges, seiner Schönheit und der Buntheit seines Tons viele Jahrhunderte geschätzt und das nicht nur in Europa.


Keys Cafe: Wie hast Du das Clavichord als Dein Instrument entdeckt?

Alexander Gergelyfi: In der Tat habe ich bereits während des Vorbereitungsstudiums, also noch in meiner Gymnasialzeit, ein geliehenes Clavichord gehabt und viel darauf geübt. Mich hat diese Intimität immer schon angesprochen und die Vielseitigkeit des Instrumentes inspiriert. Besonders schön finde ich, daß man die schwingende Saite auf der Taste spüren kann.


Keys Cafe: Wenn Dich junge Eltern fragen, warum ihre Kinder das Clavichordspielen erlernen sollten. Was würdest Du ihnen antworten?

Alexander Gergelyfi: Da ich selbst Vater bin, habe ich mir schon vor längerem eine Antwort auf diese Frage zurecht gelegt: Das Clavichord benötigt nicht viel Platz, ist schnell gestimmt, leicht verstaut, portabel und wird die Nachbarn garantiert nicht stören. Nein, im Ernst: das Clavichord verlangt einen guten, kontrollierten Anschlag, eine schöne Spielkultur und zugleich nicht übermäßig viel Kraft und wird deswegen auch Kindern viel Freude bereiten.


Keys Cafe: Du bist gelernter Cembalist, hast Dich aber mit unterschiedlichen historischen Tasteninstrumenten beschäftigt. Was macht für Dich den Reiz dieser Instrumente aus? Welches ist Dein liebstes Instrument?

Alexander Gergelyfi: Bereits während meines Studiums habe ich immer gerne Pianoforte, Clavichord und auch etwas Orgel gespielt. Ich versuche, möglichst viele Instrumente des Kanons der Tastensintrumente in meine Arbeit einfließen zu lassen. Manches wird nach wie vor noch sehr stiefmütterlich behandelt, das Tafelklavier zum Beispiel.

Das 2025 bei Alpha Classics erschienene Album von Alexander Gergelyfi und Georg Nigl bringt mit Mozarts Clavichord wunderbar zum Klingen.

 

Keys Cafe: Gemeinsam mit Georg Nigl hast Du Mozarts Clavichord wieder zum Leben erweckt. Ihr spielt auch live vor einem kleinen Publikum. Wie reagiert das Publikum bei Euren Konzerten auf dieses ungewöhnliche Klangerlebnis?

Alexander Gergelyfi: Der erste Ton ist immer ein kollektiver Schock und dann werden die Ohren gespitzt. Meinen Beobachtungen zufolge dauert es ca. 40-60 Sekunden bis sich das Ohr auf die neue, unbekannte Situation einstellt, quasi einhört. Und ab diesem Zeitpunkt ist das Publikum wie gefesselt. Ich werde nach Konzerten immer wieder darauf angesprochen, was man alles an Dynamik und Farben wahrnehmen kann und das, obwohl die Gesamtlautstärke recht mild ist. Ich selbst genieße diese Situationen und freue mich, wenn ich das mit jemandem teilen kann.

Vor dem Album mit Georg Nigl veröffentlichte ich übrigens ein Clavichord-Solo-Album bei Carpe Diem Records in Berlin. Es portraitiert das älteste erhaltene Clavichord aus einer österreichischen Werkstatt, dem sogenannten Admonter Clavichord, von mir liebevoll Ursula genannt. Diese Auseinandersetzung mit Instrument, Repertoire, Spielweise und Raum hat bei mir vieles ausgelöst. Tatsächlich habe ich in dieser Zeit auch Georg Nigl kennengelernt.



Keys Cafe: Magst Du uns ein wenig über Dein nächstes Projekt erzählen?

Alexander Gergelyfi: Eine weitere Veröffentlichung zusammen mit meinem vielgeschätzten Kollegen und guten Freund Georg Nigl steht bevor: Wir haben es gewagt, Franz Schuberts Schöne Müllerin mit einem originalen Tafelklavier aus ca. 1810 aufzunehmen. Die Platte erscheint am 14. November bei Alpha in Paris.

Und wenn Du Konzerte meinst, dann freue ich mich jetzt schon besonders auf meine Tastenavantgarde am Klavier-Festival Ruhr. Auf mehreren ganz unterschiedlichen Clavieren zeige ich selten gehörte und unerhörte Werke!


Herzlichen Dank für das Gespräch!

Alexander Gergelyfi spielt auf dem Admonter Clavichord das Allegro F-Major von Anton Ferdinand Paris.

Weitere Informationen zu Alexander Gergelyfi und seiner Arbeit auf seiner Homepage

Alexander Gergelyfi spielt auf dem Admonter Clavichord, das er liebevoll auf den Namen Ursula getauft hat.

©Torben Bührer. Alle Rechte vorbehalten.

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