
Warum Klavier spielen?
"Klavierspielen motiviert, beflügelt, begeistert. Es befreit aus Zwängen, öffnet Herz und Sinne für das Schöne und Positive, weckt Freude am Leben." (Hermann Rauhe)
Mein Entschluss war schon längst gefasst, als ich auf dieses so zutreffende Zitat stieß. Warum sollte ich meine ebenso empfundene eigene Freude nicht auch mit anderen Menschen teilen?
Ein Kosmos an Ideen, Geschichten und Inspirationen
Es ist die Freude über die Welt der Alten Musik, insbesondere die geheimnisvolle Welt der Tasteninstrumente aus der Zeit der Spätrenaissance und des Barock bis hin zur Klassik. Hat man die Tür zu dieser Welt erst einmal aufgestoßen, scheint sich einem ein ganzer Kosmos an Ideen, Geschichten und vielseitigen Inspirationen zu eröffnen.
Eine Welt, die auf eine jahrhundertealte Geschichte schaut, deren vorläufiger Schlusspunkt die Entwicklung des modernen Klaviers zu sein scheint.
Dabei ist das Klavier, wie wir es heute kennen, eigentlich nur ein kleinerer Teil einer lange Geschichte. Ist es doch so, dass es mit seinen unter tonnenschwerer Spannung stehenden Saiten und seinem metallenen Gerüst eher ein Produkt der Industrialisierung und des ausgehenden 19. Jahrhunderts ist.
Es lohnt sich, die Klangvielfalt von Vorgängern und Wegbereitern des modernen Klaviers wie dem Clavichord, dem Cembalo, dem Spinett, dem Hammerklavier oder der Orgel und anderer Instrumente zu entdecken. Und nicht nur das. Eintauchen in diese Welt heißt zugleich, sich mit Kulturgeschichte sowie Literatur, Kunst und anderem zu beschäftigen. Denn diese feinen Objekte und ihre Nachbauten sprechen durch die Jahrhunderte zu uns.
Musik - ein sinnstiftendes Hobby!
In Deutschland machen über 16 Millionen Menschen in ihrer Freizeit Musik. Davon spielen rund 80 Prozent ein Instrument.
Das Klavier gehört dabei neben der Gitarre zu den beliebtesten Instrumenten. Auch wenn viele Menschen heute ein so sinnstiftendes Hobby wie das Musizieren für sich entdeckt haben, bleibt doch nicht wenigen die wunderbare Welt der Alten Musik und der historischen Tasteninstrumente und ihrer Zeitgenossen verborgen.
Wie bedauerlich! Denn häufig entdeckt man gerade die Feinheit der Sprache des Barocks oder der Renaissance erst, wenn die Musik aus dieser Zeit auf den Instrumenten erklingt, für die sie eigentlich geschrieben worden ist.
Auf welchen Instrumenten spielte Bach denn eigentlich seine Musik? Das moderne Klavier gab es damals ja noch nicht.
Welchen Klang hatte Mozart im Ohr, als er den Türkischen Marsch komponierte?
Welche Instrumente spielte Elisabeth I. von England des Abends in ihrer Kemenate?
Welche Rolle spielte das Cembalo für die aristokratische und das Klavier dann für die bürgerliche Gesellschaft?
Die Kompositionen und Instrumente von damals erzählen uns noch heute viel über ihre Zeit. Die Musik handelt vom Freud und Leid ihrer Zeitgenossen, von Schönheit und Düsternis, genau wie es auch heutige Musik versucht auszudrücken. Und dennoch scheint dieser Musik nicht selten etwas Zeitloses anzuhaften, was durch die Jahrhunderte zu uns spricht und uns berührt. Das kann faszinieren und gleichzeitig auch trösten, gerade in Zeiten wie heute, die oft von Ungewissheiten geprägt sind.
Ging es den Menschen vor 400 Jahren vielleicht gar nicht so sehr anders als uns heute? War nicht auch ihre Zeit geprägt von Umbrüchen, Krisen und Unsicherheiten?
Die Musik hat es damals wie heute immer wieder geschafft, Trost zu spenden, Hoffnung, Freude und Zuversicht zu schenken.

Was verbindet Bach mit Miss Marple und den Beatles?
Wie fand ich den Weg in diese besondere Welt? Musik ist mein Hobby. Eigentlich ein wiederentdecktes. Gerade in den letzten Jahren beschäftige ich mich mehr und mehr mit der Alten Musik und den Instrumenten aus dieser Zeit. Ich höre Musik, besuche Konzerte und seit zwei Jahren versuche ich mich selber an einem Spinett - mal mehr mal weniger erfolgreich. Aber mit immer größer werdender Begeisterung. So wie vielen Hobbymusiker:innen und Musikliebhaber:innen blieb aber auch mir die Welt der Alten Musik und der historischen Tasteninstrumente lange Zeit verborgen.
Als Schüler begann ich mit dem Klavierspielen ohne je etwas von einem Cembalo oder einem Hammerklavier gehört zu haben. Aber beim Hören von Barockmusik begeisterte mich immer der kuriose Klang, der bei den meisten Stücken aus dem Barock zumindest im Hintergrund als Generalbass zu hören war. Ein spitzer Klang, fein und konstant, der einem Brandenburgischen Konzert von Bach erst die besondere, ja barocke Note zu verleihen scheint. Eine Note von entschiedener Klarheit und zugleich Feinheit. Es war der gleiche Klang, der dann auch in der unvergleichlichen Titelmelodie der Miss-Marple-Verfilmungen der 60er-Jahre ertönte und sogar von der Popmusik wie etwa den Beatles aufgegriffen wurde.
Es handelte sich um das Cembalo, quasi dem Vorläufer des Klaviers, das aber doch so anders klingt.
Und googelt man "Cembalo" bekommt man viele Bilder ganz unterschiedlich aussehender Instrumente zu sehen. Kleine, große, mit einem Manual, häufig auch zwei oder gar drei Manualen, mit Pedalen oder ohne, verziert und mit fantastischen Gemälden versehen oder ganz ornamentlos im Stile skandinavischen Mid-Centuries.
Ich begann mich mehr und mehr für diese Instrumente mit ihrem besonderen Klang zu interessieren. Ein eigenes Instrument schien aber unerreichbar. Wurden sie denn eigentlich noch gebaut? Schließlich gab es das Klavier und das war ja scheinbar das furiose Ende einer langen Entwicklung.
Dann entdeckte ich ein Instrument im Musikraum meiner Schule - etwas versteckt in einer Ecke und unter einem Überwurf. Es war offensichtlich kein Original aus der Barockzeit. Sie wurden also noch hergestellt. Aber wer konnte sich so etwas leisten? Erst Jahre später wusste ich, dass man sich auch ein Cembalo oder mindestens auch die kleinere Version davon, das Spinett, kaufen konnte ohne ein Vermögen dafür zu berappen.
Aber wofür ein weiterer Newsletter, bitteschön?
Braucht es aber nun wirklich einen weiteren Newsletter? Ja! Ich möchte dazu beitragen, diese Welt wieder bekannter zu machen. Ich finde es wichtig, dass auch noch in einigen Jahren Menschen diese Welt erleben können und sie nicht in Vergessenheit gerät. Mit diesem Newsletter möchte ich meine Begeisterung teilen. Mehr noch, ich möchte alle auf meine Tastenreise mitnehmen, die Lust haben, eine für sie vielleicht vollkommen neue Welt zu betreten. Ein Kosmos, der alles andere als verstaubt und langweilig ist sondern vielmehr begeistern und inspirieren und den Blick für das Schöne und Positive öffnen kann. Egal, ob man selber gerne Musik macht, sie hört oder einfach offen dafür ist, etwas Neues kennenzulernen. Dabei soll es um alles gehen, was dazugehört. Geschichten über Instrumente, Komponisten und Interpreten, besondere Orte oder Konzerterfahrungen, Bücher und Kunst.
Anmerkung zum richtigen Gebrauch
Ich empfehle die Lektüre des Newsletters dabei vorzugsweise in entspannter Atmosphäre, sei es im Sessel am Abend bei einem Drink oder einem Tee, auf der Liegewiese im Park oder mit einem Kaffee in der Hand gemütlich zu Hause oder im Lieblingscafé. Denn slow content bedeutet für mich, sorgfältig recherchierte und verfasste Texte, die dem Lesen mit Gemütsruhe der persönlichen Zerstreuung dienen, also Spaß machen und Neugierde wecken. Und das alles ohne KI. Auch die Fotos sind selbst gemacht. Sozusagen ein wenig eigenes Handwerk.
Ich freue mich sehr über Feedback und Anregungen per E-Mail: newsletter@keyscafe.de
Viel Spaß beim Lesen und Stöbern und herzlich Willkommen im Keys Cafe!
Dieser Text stammt aus Keys Cafe Newsletter No. 1.
Quellenhinweis:
Das obige Zitat von Hermann Rauhe wurde folgendem Werk entnommen: Beurmann, Andreas E., Klingende Kostbarkeiten - Tasteninstrumente der Sammlung Beurmann, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Lübeck 2000.
